.

Die drei Hauptfragen

Level C (Experte):

Aufbauend auf Level A und B

Wir checken nun alle wichtigen, lawinenbildenden Faktoren, so wie es auch Lawinenwarnzentralen zur Erstellung des LLB und Gutachter nach Lawinenunfällen tun. Auch wenn kein LLB verfügbar ist – z.B. auf Hochtour im Sommer –, müssen wir uns auf eine Eigenprognose verlassen.

Es kann also ein Profi mittels eines vollständigen Faktorenchecks aufgrund langjähriger Erfahrung auch einen eigenen LLB erstellen. Dies wird hier jedoch nur sehr oberflächlich aufgeführt. Die dazu nötigen Fähigkeiten sind in der Regel nur durch Ausbildungskurse in Verbindung langjähriger Erfahrung vermittelbar. Vertiefte Informationen sind in den Publikationen unter -Aktuelles- enthalten.

 

Frage 1: Wie hoch ist der allgemeine Gefahrengrad, bzw. mein Risikopotenzial?
Informationsbasis sind zunächst die Gefahrenstufe und die Zusatzinfos des LLB, sofern vorhanden. Ich mache einen Faktorencheck und vergleiche die Schneeverhältnisse mit den Infos im LLB. Im Faktorencheck sind alle wichtigen Punkte der 3x3-Filtermethode von W.Munter enthalten: Verhältnisse - Gelände - Mensch

In der Regel benötige ich für solch einen Check einen Wetterverlauf der letzten 2-4 Wochen (Niederschlag, Wind, Temperatur, Bewölkung) und grobe Informationen zum Witterungsverlauf des gesamten Winters. Sind diese Informationen zu den lokalen Bedingungen ausreichend vorhanden, kann ich bei entsprechenden Fähigkeiten den lokalen Gefahrengrad sehr differenziert anpassen. Interessierte können sich ggf. auch bei Gebirgsferne ständig über den LLB und Wetterbericht zu den relevanten Wettereinflüssen informieren.

Ein Mensch kann sich in der Regel nicht mehr wie 3-5 Dinge gleichzeitig im Kopf behalten. Deshalb ist es wichtig, Punkt für Punkt die Hauptfaktoren abzuchecken und dann erst die Einzelergebnisse zu einem Gesamtbild zusammenzufügen. Ansonsten wird man in der Informationsfülle die Übersicht verlieren. Das Zusammenfügen und Auswerten ist dann die große Kunst der Lawinenkunde. Grundlage der Kombination ist die Fuzzy Logik und Denken in Bandbreiten. Ein Faktorencheck ist zwar auch für einen Anfänger in einem Lawinenkurs innerhalb von 3 Tagen erlernbar, die eigenständige Beurteilung des Gefahrengrades ist jedoch nur sehr erfahrenen und geschulten Anwendern vorbehalten.

Ich verzichte bei Gefahrengrad 5 (evtl. bereits ab 4)

 

2. Frage: Wie steil ist die steilste Stelle im Hang?
(in allen Levels identisch)

Wir suchen natürlich nur Stellen, welche groß genug sind. 10x10 Meter dürfen es schon sein, alles was kleiner ausfällt, ignorieren wir. Was bleibt, ist die Frage, was ich nun überhaupt in meiner Umgebung beurteilen soll. Siehe unter Hangneigung messen oder klicke auf die Gradzahlen in der SnowCard-Auswahl.

 

3. Frage: Ist der Hang günstig oder ungünstig?
Mittels Faktorencheck ermittle ich nun die örtliche Kombination der lawinenbildenden Faktoren. Daraus entscheide ich, ob der Hang ungünstig oder günstig einzustufen ist. Dies findet vorwiegend im Einzelhangcheck an den Checkpunkten vor Ort statt (siehe Fallbeispiel). In der Planung wird ein Szenario der erwarteten Verhältnisse erstellt inkl. möglicher Abweichungen.

 

Entscheiden mittels Einzelhang-Faktorencheck und SnowCard:

Eine Beurteilung mittels Einzelhang-Faktorencheck ist in Verbindung mit der SnowCard die High-End-Methode der Lawinenbeurteilung. Sie erfordert Aufwand und Wissen, ist aber in ihrer Treffsicherheit unübertroffen.

Ein Einzelhangcheck im Gelände kann mittels Kombination der Faktoren der Schneeverhältnisse (1-5) drei verschiedene Ergebnisse bringen. Zu den Ergebnissen existieren folgende Empfehlungen:

Ergebnis: Empfehlung:
Eindeutig günstig Keine Neigungsbegrenzung, da sehr geringes Risiko
Nicht oder wenig eindeutiges Ergebnis SnowCard anwenden! Die Wahl der Risikografik richtet sich hierbei nach dem Ergebnis des Faktorenchecks (eher günstig – eher ungünstig).
Eindeutig ungünstige Kombination von 2 oder mehr Faktoren Verzicht ab 30-34 Grad Hangneigung (Alarmkombination)! Dieses Ergebnis zeigt höchste Gefahr an!